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PALASTBESITZER – DIE RACZYŃSKIS unter dem ADELSWAPPEN NAŁĘCZ 

 

Kazimierz Raczyński (1739-1824)

Einziger Sohn von Wiktor und Magdalena Działyńska, studierte an ein der Lubrański-Akademie und am Collegium Nobilium der Piaristen in Warschau. Königlicher Rechtsschreiber 1768, Generalstarost in Großpolen 1779, Hofmarschall 1782. Mit Stanisław August Poniatowski ist er der Konföderation von Targowica beigetreten. 1798 erhielt er einen preußischen Grafentitel. In Posen restaurierte er ein Schloss von Przemysław und Rathaus im Renaissance Stil, baute nach Entwürfen von J.Ch. Kamsetzer die Hauptwache und das heute nicht mehr existente Wroniecki-Tor. 1760 heiratete er Teresa Moszczeńska. Sie schenkte ihm zwei Töchter, Magdalena und Michalina. Die jüngere Michalina heiratete zur Erhaltung des Namens ihren Cousins Filip, dem sie 1784 ihr Gutshaus in Großpolen überreichte. Der Sarg von Kazimierz wurde aus Woźniki nach Rogalin in die Schlosskapelle seines Enkels Edward versetzt. 

 

Filip Raczyński (1747-1804)

Einziger Sohn von  Leon und Wiridiana Bnińska, Sejmabgeordneter, kaufte ein Heer-Regiment und erhielt den Dienstrang eines Generalmajoren. Mit Militärfragen befasste er sich weniger, viel geschickter verwaltete er sein beträchtliches Vermögen. 1784 heiratete er Michalina Raczyńska. Von den fünf Kindern aus dieser Ehe haben zwei überlebt, Edward, der nächste Gutsbesitzer in Rogalin und Atanazy, der künftige preußische Diplomat, Mäzen und Sammler. Nach dem vorzeitigen Tod seiner Frau hat Filip sein Leben seinen Söhnen gewidmet, die von ihrem Vater mit Disziplin erzogen wurden und eine moderne und umfassende Bildung erhielten. Seine Nichte Wiridiana Fiszerowa hat ihn folgendermassen charakterisiert: „...er war von der Figur her eher gutaussehend, mit regulären Gesichtszügen, männlich, jedoch ohne jegliche Anmut..., war bedingungslos ehrlich, hatte ein gutes Herz und vornehmliche Prinzipien.“ Er ist in der Schlosskapelle in Rogalin begraben. 

 

Edward Raczyński (1786-1845)

Altester Sohn von Filip und Michalina Raczyńska, Kapitän im Napoleonsheer, Sejmabgeordneter im Herzogtum Warschau und Großherzogtum Posen, königlich-preußischer Kammerherr, preußischer Graf durch Erbe. Ein Mensch mit umfangreichen Interessen und Fertigkeiten, der sich seiner Heimat verdient gemacht hat, Kunstmäzen, Wissenschaftsmäzen, Herausgeber von vielen historischen Quellpublikationen. Stifter der Raczyński-Bibliothek in Posen und Statuen der ersten polnischen Könige in der goldenen Kapelle in der Posener Kathedrale. In Rogalin hat er eine Gruftkapelle errichtet und überführte dorthin die Aschen seiner Ahnen. 1826 heiratete er Konstancja geb. Potocka und hatte mit ihr einen Sohn, Roger. Er begang Selbstmord auf einer Seeinsel in Zaniemyśl. Auf der Statue am Grab an der Kirche in Zaniemyśl hat seine Frau folgende Aufschrift anbringen lassen: „Hier ruht Edward Nałęcz Graf Raczyński, der für sich geizig war, für die armen Leute jedoch hilfsbereit und freigebig für die Heimat.“ 

 

Roger Raczyński (1820-1864)

Einziger Sohn von Edward und Konstancja Gräfin Potocka. Er studierte in Berlin Geschichte, Jura und Philosophie, seine Leidenschaft war Literatur. Mitbegründer der Posener Gesellschaft der Freunde der Wissenschaften, Politiker, Teilnehmer des Völkerfrühlings, nach dem Januaraufstand musste er aus dem Land fliehen um nicht festgenommen zu werden. In Paris 1864 gestorben, zwei Jahre später wurde sein Leichnam nach Rogalin überführt. Zweimal verheiratet: mit Maria Gottschall (1850) und dann mit der Tochter seiner Stiefschwester, Konstancja geb. Lachman (1862). Sein einziger Sohn war Edward Aleksander. „Roger war ein typisches Kind seiner Epoche. Eher sentimental, geheimnisvoll, unbesonnen und dabei traurig“, so beschrieb ihn sein Enkel, Edward Bernard Raczyński. 

 

Edward Aleksander Raczyński (1847-1926)

Unehelicher Sohn von  Roger Raczyński und Zeneida geb. Hołyńska Lubomirska, päpstlicher Kammerherr und Kavalier der päpstlichen Orden, Soldat, Wanderer, Kunstmäzen, Sammler, ausgezeichneter Linguist, der sieben Fremdsprachen beherrschte. In Rogalin hat er die intensive Sanierung des Palastes durchgeführt und schuf eine neobarocke Bibliothek mit einer umfangreichen Büchersammlung, seine private Gemäldesammlung hat er für die Öffentlichkeit in der dafür errichteten Galerie ausgestellt. Er war zweimal verheiratet: mit Maria geb. Krasińska, Tochter des Dichters Zygmunt (1877) und Róża geb. Potocka (1886). Aus der ersten Ehe hatte er einen Sohn, Karol Roger, aus der zweiten Roger Adam und Edward Bernard. Er starb 1926 in Krakau und ist in Rogalin beigesetzt.  

 

Roger Adam Raczyński (1889-1945)

Alterer Sohn von Edward Aleksander und Róża geb. Potocka, Diplomat, Politiker und Sammler. Studierte Agrarwissenschaft in Leipzig und Malerei in München. Woiwode in Posen in den Jahren 1929-34, Stellvertretender Minister für Agrarwissenschaft 1934-36, polnischer Botschafter in Rumänien 1938-40. Eine historische Rolle spielte er im September 1939, indem er den Staatspräsidenten I. Mościcki überzeugte, die Macht an Wł. Raczkiewicz zu übergeben, was die Beständigkeit Polens sicherte. 1925 mit Helena geb. Rohozińska verheiratet starb er kinderlos in Athen, wo er auch beerdigt wurde. Die Urne mit seinen Aschen wurde in die Gruftkapelle in Rogalin 1993 überführt. 

 

Edward Bernard Raczyński (1891-1993)

Jüngerer Sohn von Edward Aleksander und Róża geb. Potocka, Diplomat, Politiker, Autor, studierte in Krakau, Leipzig und London. Ab 1918 in diplomatischen Diensten Polens, Botschafter Polens in London ab 1934, Staatspräsident Polens im Exil 1979-1986. Bücherautor zu politischen Themen und Memoiren sowie auch von Übersetzungen von Dichtung und Tagebüchern. Nach dem Tod seines Bruders gründete er als einziger Palastbesitzer in Rogalin zu seinem 100. Geburtstag eine Raczyński-Stiftung, an die er die erhaltene Sammlung und die Rechte an der gesamten Residenz überreichte. Er war dreimal verheiratet: mit Joyous Markham (1925), Cecylia geb. Jaroszyńska (1932) und Aniela Lillpop geb. Mieczysławska (1991). Aus der zweiten Ehe sind ihm drei Töchter geboren: Wanda, Wiridianna und Katarzyna. Er war der letzte männliche Nachkommen seines Geschlechts und wurde in Rogalin beigesetzt.

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Autor: Joanna Nowak