Naturwerte

Landschaftswerte und Naturbestand der Umgebung des Palastes in Rogalin

Im 19. Jh. gründete Kazimierz Graf Raczyński, der die Schönheit der Umgebung von Rogalin zu schätzen wusste, hier seinen imponierenden Familiensitz. Mit außergewöhnlichem Geschick passte er diesen in die Natur ein, die einzelnen Bestandteile der nach dem damaligen architektonischen Kanon errichteten Residenz überstanden bis heute: der Vorhof, der Wirtschaftshof, der Paradehof, und hinter dem Palast ein Rokoko-Garten (einer von wenigen bis heute erhaltenen in Polen).

Die Nachkriegszeit änderte nicht viel an der Raumordnung des Ortes, der bewusst über Generationen hinweg gestaltet wurde. Die Proportionen sind erhalten geblieben und die Aufteilung in die einzelnen Palastbestandteile, wie den Herrensitz, den etwas abgelegenen Gutshof, den Schafstall, die Brennerei, die Siedlung, die Felder, Auen und Wälder, den ehemaligen Weg nach Posen mit einer Grenzsäule aus dem 17. Jh., die Kommunikationsstruktur mit einer von Bäumen bewachsenen Allee.

Das Ausmaß ist es für die Verhältnisse im Lande ungewöhnlich. Der Zivilisationseingriff seitens der Bewohner dieser Region war vermutlich so erfolgreich, da er die bestehende Naturwelt nur in geringem Maße umformte. Die Schöpfer des Landschaftsparkes um den Palast (urspr. 300 ha, heute 27 ha Museumsgelände) mit romantischen und später naturalistischen Zügen, haben die Natur sehr diskret umformt und damit ihren „wilden“ Charakter erhalten. Zum Glück blieben alle Generationen des Geschlechts Raczyński, die den Palast bewohnten, dieser Regel treu.

Ende des 20. Jh. wurde beschlossen, die kostbaren und beinahe unveränderten Landschafts- und Naturwerte durch Gründung eines Landschaftsparkes zu Rogalin zu schützen und von umfangreichen Schutzgebieten im Rahmen eines europäischen Programms NATURA 2000 zu umschließen, darunter insbesondere zum Schutz der Biotope „Warthe-Tal zu Rogalin“ und dem Vogelschutzgebiet „Hort zu Rogalin". Zusätzlich wird an ausgewählten Bäumen ein Programm der Genbestände im Wald zum Ziele der Regenerierung der Urwälder realisiert, die am besten mit den regionalen Boden- und Klimaverhältnissen übereinstimmen.

Im Rahmen dieser Programme werden insbesondere folgende Objekte in Obhut genommen: die Landschaft (die Überschwemmungsterrasse im Warthe-Tal mit seinen hohen Steilhängen und die breite mit Wiesen bewachsene Überschwemmungsterrasse mit Altwassern und Teichen), die fabelhaften StieleichenQuercus robur (zahlreiche Überbleibsel der alten Eichen-Hainbuchen-Wälder, in denen es im Jahre 1992 1435 Exemplare mit Brusthöhedurchmesser von 200 bis 915 cm gab), die Naturlebensräume (Weiden-, Pappeln-, Erlen-, Eschen- und Eichen-Ulmen-Eschenbrüche, pommersche bodensaure Birken-Eichenwälder, mitteleuropäische und subkontinentale Eichen-Hainbuchen-Wälder, extensiv genutzte Tiefland- und Hochlandwiesen, Feucht- oder Nassstreuwiesen, Feuchtwiesen, Altwässer und natürliche Eutrophie-Gewässer, Sumpfufer der Flüsse, thermophile binnenländische Sandgräser, Kräutergewächse im Hochland und in der Flusslandschaft), Insekten (Käfer – Juchtenkäfer, Heldbock, Hornschröter; Libellen – Grüne Flussjungfer, Große Moosjungfer; Schmetterling Schwalbenschwanz), Fische (Rapfen, Steinbeißer, Schlammpeitzger), Amphibien (Erdkröte), Reptilien (Zauneidechse, Kreuzotter), Vögel (Mittelspecht und Grünspecht, Seeadler, Schreiadler, Rotmilan, Schwarzmilan, Eisvogel), Säugetiere (Fledertiere – Großes Mausohr, Mopsfledermaus; Bieber; Widder; Wildschweine; Rehe; Hirsche) und viele sonstige Tiere.

Autor: Piotr Wilanowski